Botulinumtoxin-Therapie

Bei Erkrankungen, die mit einer dauerhaften Überaktivität einzelner Muskeln einhergehen, lässt sich diese Überaktivität gezielt dämpfen. Die Behandlung mit Botulinumtoxin ist in der Neurologie seit Jahrzehnten etabliert und hat mit kosmetischen Anwendungen nur den Wirkstoff gemeinsam.

Wobei die Behandlung hilft

Botulinumtoxin wird in der Neurologie bei Beschwerdebildern eingesetzt, bei denen einzelne Muskeln unwillkürlich und anhaltend angespannt sind:

  • Zervikale Dystonie — eine unwillkürliche Verdrehung oder Neigung des Kopfes, oft mit Schmerzen im Nacken
  • Blepharospasmus — krampfartiges Zukneifen der Augenlider, das bis zur funktionellen Blindheit führen kann
  • Spasmus hemifacialis — einseitige Zuckungen der Gesichtsmuskulatur
  • Spastik — eine erhöhte Muskelspannung nach Schlaganfall, bei Multipler Sklerose oder nach Schädigungen des Rückenmarks
  • Vermehrter Speichelfluss — etwa im Verlauf einer Parkinson-Erkrankung
  • Chronische Migräne — unter bestimmten Voraussetzungen und nach Ausschöpfen anderer Behandlungen

Ob die Behandlung im Einzelfall in Frage kommt, zeigt sich erst nach einer neurologischen Untersuchung. Die Beschwerden müssen eindeutig zugeordnet sein, denn die Behandlung richtet sich immer gegen bestimmte Muskeln.

Wie die Behandlung wirkt

Botulinumtoxin unterbricht die Signalübertragung vom Nerv zum Muskel. Der behandelte Muskel entspannt sich dadurch, ohne dass das Gefühl in der Region verloren geht.

Die Wirkung setzt nicht sofort ein: In der Regel ist nach einigen Tagen etwas zu bemerken, das volle Ausmaß nach ein bis zwei Wochen. Danach hält die Wirkung üblicherweise etwa drei Monate an und lässt dann allmählich nach. Die Behandlung wird deshalb in Abständen wiederholt.

Der Effekt ist also vorübergehend und umkehrbar. Das ist kein Nachteil: Es erlaubt, die Dosis und die Auswahl der Muskeln von Mal zu Mal genauer an das Beschwerdebild anzupassen.

Ablauf

Vor der ersten Behandlung steht eine ausführliche Untersuchung. Dabei wird festgestellt, welche Muskeln tatsächlich beteiligt sind — bei einer Kopfverdrehung sind das oft andere als die, die man vermutet.

Die Behandlung selbst dauert nur wenige Minuten. Der Wirkstoff wird mit einer sehr feinen Nadel in die betroffenen Muskeln eingebracht. Bei tiefer liegenden oder schwer tastbaren Muskeln führe ich die Nadel unter Ultraschallkontrolle — häufig ist das nicht erforderlich.

Nach etwa zwei Wochen kann eine Kontrolle sinnvoll sein, um die Wirkung zu beurteilen. Was dabei auffällt, fließt in die nächste Behandlung ein.

Was Sie wissen sollten

Botulinumtoxin ist bei sachgemäßer Anwendung gut verträglich. Wie jede wirksame Behandlung hat es dennoch mögliche Nebenwirkungen, über die Sie vorab aufgeklärt werden.

Am häufigsten ist eine vorübergehende Schwäche benachbarter Muskeln. Bei Behandlungen im Nackenbereich kann es vorübergehend zu Schluckbeschwerden kommen, bei Behandlungen im Gesicht zu einem hängenden Augenlid. Diese Erscheinungen bilden sich mit der Wirkung des Mittels wieder zurück.

Nicht angewendet werden darf Botulinumtoxin bei bestimmten Erkrankungen der neuromuskulären Übertragung, bei einer Infektion an der Einstichstelle sowie in Schwangerschaft und Stillzeit. Ob einer dieser Punkte auf Sie zutrifft, klären wir im Gespräch.

Die Kosten werden von den Krankenkassen bei den anerkannten neurologischen Indikationen in der Regel ganz oder teilweise übernommen. Da ich eine Wahlarztordination führe, begleichen Sie das Honorar zunächst selbst und reichen die Rechnung anschließend ein.

Zertifizierung

Ich bin von der Österreichischen Dystonie- und Botulinum-Toxin-Arbeitsgruppe (ÖDBAG) als Ärztin für die Botulinumtoxin-Therapie zertifiziert. Die Arbeitsgruppe führt ein öffentliches Verzeichnis der zertifizierten Ärztinnen und Ärzte.

Häufige Fragen

Ist das dasselbe wie eine kosmetische Behandlung?
Nein. Der Wirkstoff ist derselbe, die Anwendung eine andere. In der Neurologie geht es darum, eine krankhafte Überaktivität bestimmter Muskeln zu dämpfen — nicht um das Erscheinungsbild. Kosmetische Behandlungen biete ich nicht an.
Tut die Behandlung weh?
Die Nadeln sind sehr fein. Die meisten Menschen empfinden ein kurzes Stechen, vergleichbar mit einer Blutabnahme. Eine Betäubung ist in der Regel nicht erforderlich.
Wie oft muss die Behandlung wiederholt werden?
Üblicherweise alle drei Monate. Der genaue Abstand richtet sich danach, wie lange die Wirkung bei Ihnen anhält.
Kann die Wirkung mit der Zeit nachlassen?
Bei einem kleinen Teil der Behandelten lässt die Wirkung über die Jahre nach. In diesem Fall gibt es andere Präparate und Behandlungswege, die wir dann besprechen.